Definition

Der Sichtbarkeitsfehler bezeichnet einen Fehler beim Bewerten von Informationen, welcher eintritt, wenn nur die unmittelbar sichtbaren Informationen mit in die Entscheidung einbezogen werden und Erkenntnisse aus dem Zusammenhang unberücksichtigt bleiben.

Mit Sichtbarkeit sind alle Erkenntnisse gemeint, die den Informationen direkt entnommen werden können. Die Erkenntnisse aus dem Kontext bleiben beim Sichtbarkeitsfehler unberücksichtigt.

 

Erklärung des Sichtbarkeitsfehlers

Menschen beurteilen ihre Umwelt generell aus der eigenen Wahrnehmung heraus. Die dazu verwendeten Informationen stammen aber aus irgendeinem Zusammenhang. Dieses „Gebiet“ aus welchen die Informationen entnommen werden, geben auch einen Rückschluss das zu Beurteilende. Beim Sichtbarkeitsfehler werden diese „Gebiet“ nicht mit in die Bewertung einbezogen.

Wenn bei Treffen einer Entscheidung nur die Informationen berücksichtigt werden, die unmittelbar sichtbar sind, nicht aber der Kontext aus dem diese Informationen stammen, spricht man vom Sichtbarkeitsfehler.

 

Die zwei Formen des Sichtbarkeitsfehlers

  1. Man nimmt eine Veränderung war, wo es keine Veränderung gibt
  2. Man nimmt keine Veränderung war, wo es aber eine Veränderung gibt

 

Beispiel zur ersten Form des Sichtbarkeitsfehlers

Du misst deinen IQ und bekommst ein Ergebnis von 120 IQ-Punkten. Nach einigen Monaten bekommst du die Möglichkeit einen neueren und besser entwickelten IQ-Test zu machen. Du nimmst an und kommst jetzt auf ein Ergebnis von 130 Punkten.

Bist du nach dem zweiten Test intelligenter als nach dem Ersten?

Die Antwort ist Nein. Du bist nicht schlauer geworden. Es hat sich nur der Punktewert der Beschreibung deiner Intelligenz verändert. Deine reale Intelligenz ändert sich nicht, nur wenn wir sie mit einer höheren oder niedrigeren Zahl beschreiben.

 

Beispiel zur zweiten Form des Sichtbarkeitsfehlers

Person A und Person B machen die Führerscheinprüfung. Beide Personen waren vor Beginn ihres Fahrtrainings gleich gut. Ihr Lernzuwachs während den Fahrstunden war auch exakt gleich. Beide fallen aber durch die Prüfung. Sie verbessern ihre Kritikpunkte und absolvieren die Prüfung noch einmal.

Wieder fallen beide durch. Person A hat die Schnauze voll und gibt den Führerschein auf. Person B versucht es noch einmal, aber schafft es trotzdem nicht. Person B ist aber motiviert und versucht es noch fünf weitere Male. Sie scheitert immer wieder und bekommt schlussendlich auch keinen Führerschein.

Insgesamt ist Person A zwei Mal durch die Prüfung gefallen und Person B ist 8 Mal durch die Prüfung gefallen.

Beide sind grottenschlechte Autofahrer, aber welcher von beiden Personen ist der bessere?

Person B ist der bessere Autofahrer. Sie ist zwar öfters durch die Prüfung gefallen, hat aber insgesamt mehr Fahrerfahrung sammeln können.

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